Warum Ehrfurcht uns wachsen läßt

von Okt 5, 2019Allgemein, Lebensglück0 Kommentare

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Shownotes

Podcast 122 – „Warum Ehrfurcht uns wachsen läßt“

Die amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson hat im Rahmen von wissenschaftlichen Studien zehn Gefühle identifiziert, die uns insgesamt positiver, stärker und gesünder machen können. Und zwar genau dann, wenn wir diese Gefühle ganz bewußt wahrnehmen und sogar verstärken. Und spannenderweise gehört zu diesen zehn Gefühlen auch die Ehrfurcht.

Vor einigen Tagen habe ich bei der Verleihung des Feminess World Award Sabine Niese kennengelernt, die seit zehn Jahren an der unheilbaren und tödlich verlaufenden Krankheit ALS leidet.  Die Rede, die Sabine auf dem Kongress hielt, ließ mich Ehrfurcht erleben.

Warum das so war und was Ehrfurcht in uns auslöst, darüber spreche ich in meiner heutigen Episode.

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Warum Ehrfurcht uns wachsen läßt

Die amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson hat im Rahmen von wissenschaftlichen Studien zehn Gefühle identifiziert, die uns insgesamt positiver, stärker und gesünder machen können. Und zwar genau dann, wenn wir diese Gefühle ganz bewußt wahrnehmen und sogar verstärken. Und spannenderweise gehört zu diesen zehn Gefühlen auch die Ehrfurcht. Und warum das so ist, möchte ich heute gern etwas genauer beleuchten.

Vor einigen Tagen war ich auf den Feminess-Success-Days in Würzburg. Dort haben sich ca. 400 vorwiegend Unternehmerinnen getroffen. Ich war bereits das zweite Mal dabei und aus dem Universum der positiven Gefühle habe ich einige dort gut leben können. Das Interesse und die Inspiration durch gute Vorträge, den Stolz, weil vier von den Referentinnen, die auf der Bühne standen, auch schon im Interview bei mir im Podcast waren und einige noch folgen werden. Die Zufriedenheit und Dankbarkeit, weil ich mich im Netzwerk so wohlgefühlt habe. Die Freude und das Vergnügen beim Tanzen am Abend zur mitreißenden Musik von Ute Ullrich.

Bleiben von den zehn positiven Gefühlen aus noch die Liebe, die Hoffnung und eben die Ehrfurcht. Und auch diese habe ich dort spüren können.
Marina Fries und Monica Deters, die Initiatorinnen des Kongresses haben zum ersten Mal den Feminess World Award in vier Kategorien verliehen. Ich gebe ehrlich zu, zunächst war ich skeptisch– nun also auch noch eine Preisverleihung. Doch ganz ehrlich – sie ging mir unter die Haut.

Den Award „Ambassador 2019“ erhielt Sabine Niese, die auch selbst anwesend war.
Und das ist keineswegs selbstverständlich. Denn sie leidet seit zehn Jahren an der unheilbaren und tödlichen Krankheit ALS. Die durchschnittliche Überlebenszeit beträgt zwei bis fünf Jahre. Gemeinsam mit ihrem Team, zwei Frauen, die sie im täglichen Leben unterstützen, kam sie im Rollstuhl auf die Bühne.
Und die Rede, die sie dort oben hielt, ließ mich Ehrfurcht erleben. Sie erzählte davon, als sie 2009 die Diagnose bekam, die sie übrigens als ALS= „AllerLetzteScheiße“ übersetzt, hat sie nicht sofort ihre Familie oder Freunde angerufen. Sie hat zunächst den wunderschönen Sonnentag genossen, draußen Kuchen gegessen und eine Entscheidung getroffen! Und zwar die Entscheidung: „Ich sterbe, also muss ich jetzt schnell noch glücklich sein und das Beste aus der Zeit machen, die mir bleibt“. Und das tut sie – jeden Tag aufs Neu – mit allen Höhen und sicher auch ganz ganz vielen Tiefen. Doch sie kämpft – in beachtlicher Weise und macht damit anderen Betroffenen ganz viel Mut.

Ich habe darüber nachgedacht, sie zum Interview in meinen Podcast einzuladen. Und vielleicht hätte sie das auch getan, denn sie geht ganz offen mit ihrer Geschichte um. Genau deswegen: um anderen Mut zu machen. Doch dann habe ich mich doch dagegen entschieden. Ich habe mich auf ihrer website umgesehen und einen Passus in ihrem Text gelesen, den ich besonders bemerkenswert finde.

Wenn ihr mich seht oder meine Fotos betrachtet, dann versucht doch MICH zu sehen. Nicht die “Frau mit ALS” oder die “Frau im Rollstuhl” und erst recht nicht: “Die arme, leidende und sterbenskranke Mutter”
Seht mich als das, was ich bin und das ist eine Mutter, die nicht versucht, ihre Kinder auf den Tod vorzubereiten, sondern auf das Leben! Seht mich als Frau! Vielleicht schafft ihr es auch das Mädchen in mir zu entdecken, das Spaß hat, das wundertolle Gedanken hat. Seht mich als vollwertig, nicht als gehandicapt!
Betrachtet mich nicht als Heldin oder Kämpferin eher als Botschafterin für das Leben und das Streben nach Hoffnung und dem Glücklichsein!

Mich haben diese Worte tief berührt. Ein Statement für das Leben und auch hier war wieder diese Ehrfurcht. Die Wertigkeit des Lebens zu erkennen und die Liebe zum Leben.

Innezuhalten und darüber nachzudenken, was ist wirklich wichtig im Leben. Und ganz ehrlich, dafür braucht es keine Zäsur, kein schlimmes, einschneidendes Ereignis, um festzustellen, wie kostbar Lebenszeit ist. Es geht nicht darum, ab sofort ein Leben im Bällebad zu führen. Aus meiner Sicht geht es um ein Leben, das sinnvoll erscheint und gleichzeitig Spass macht. Ein Leben, dessen negative Seiten eine Herausforderung darstellen, an denen man wachsen kann: ein Leben das mit allen Auf‘s und Ab‘s dazu führt, dass man am Ende seiner Tage sagen kann: Ich habe ein erfülltes Leben erlebt.

Zurück zur Ehrfurcht: das Gefühl, das sich einstellt, wenn du von etwas Großartigen förmlich überwältigt wirst. Ehrfurcht läßt uns innehalten. Vielleicht bei einem solchen Augenblick, wie ich ihm mit Sabine Niese erlebt habe. Und obwohl es sich um ein positives Gefühl handelt, zeigt uns die Ehrfurcht die Grenzen unseres sicheren Lebens auf und manchmal mischt sich Ehrfurcht dann auch mit Furcht und lässt uns bewußter werden.

Ehrfurcht erleben wir manchmal auch bei Naturschauspielen, bei einem Gewitterhimmel, einem glutroten Sonnenuntergang oder bei einem machtvollen Spiel der Meereswellen. Dann staunen wir und nehmen wahr, dass wir nur ein kleiner Teil von einem großen Ganzen sind.

Ehrfurcht beeinflusst uns und läßt uns wachsen. Vielleicht ist ja jetzt auch ein guter Zeitpunkt für dich, innezuhalten und einmal nachzudenken, wann du das letzte Mal Ehrfurcht verspürt hast und was dieses Gefühl mit dir gemacht hat

Ehrfurcht ist auch eng mit den beiden positiven Emotionen verbunden, die das Universum der zehn positiven Emotionen nun komplett werden lassen: die Liebe zum Leben, die ich bei denkwürdigen Augenblick mit Sabine Niese fühlte und ganz viel Hoffnung, dass Sabine noch viele Tage erleben wird, an denen sie Glücksmomente spürt.

 

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