„Go with the Flow“
Ein Tisch und ein Stuhl stehen auf einer kleinen Bühne im Grünen. Über mir breitet sich das Blätterdach der Bäume aus, vor mir sitzen ungefähr 30 Menschen, von denen ich fast niemanden kenne.
Heute darf ich mein Buch auf der Landesgartenschau in Bad Nenndorf vorstellen. Das Headset an meinem Ohr fühlt sich noch fremd an und mit dem Mikrofon am Rücken komme ich mir plötzlich ganz schön wichtig vor. Innerlich muss ich darüber lachen.
Es ist meine erste Solo-Lesung. Es gibt keine Moderation und niemanden, der mir mit einer Frage weiterhilft, falls ich den roten Faden verliere. Dazu lese ich zum ersten Mal unter freiem Himmel und mit professioneller Tontechnik.
Eigentlich hätte ich allen Grund, nervös zu sein. Ich horche kurz in mich hinein. Mein Herz schlägt ruhig und ich habe auch nicht das Bedürfnis, noch einmal hektisch durch meine Unterlagen zu blättern. Da ist nur dieses Vertrauen: Das wird gut, so, wie es wird.
Dann fange ich an. Das Publikum lächelt zum ersten Mal, als ich erzähle, dass ich mein Buch eigentlich nur geschrieben habe, um irgendwann an einem so schönen Ort daraus lesen zu dürfen.
Ich lese die Passage „Es reist sich besser mit leichtem Gepäck“ und spreche darüber, wie ich damals angefangen habe, meine Wohnung auszusortieren. Jeden Tag mussten drei Dinge gehen, die nicht mehr in mein Leben gehörten. Einige Menschen im Publikum nicken. In diesem Moment bin ich sicher, dass der eine oder die andere zu Hause einen Schrank öffnen und sich fragen wird, was davon noch ins eigene Leben passt.
Zwischen den Textstellen spreche ich über das Loslassen, über meine Ängste und über die Trauer, die lange einen Teil meines Lebens bestimmt hat. Ich erzähle auch davon, wie das Vertrauen in mich selbst gewachsen ist.
Und irgendwann wird mir bewusst – und ich kann es kaum glauben: Die Menschen sind komplett bei mir, sitzen nach vorn gebeugt, um besser hören zu können. Niemand schaut in sein Handy, wir sind miteinander verbunden. Es fließt einfach. Nach einer Stunde ist die Lesung vorbei. Vor der Bühne bildet sich eine kleine Schlange und ich signiere mein Buch. Auch das fühlt sich noch immer ein wenig unwirklich an.
Danach setzen wir uns unter das Kirchenzelt zum „Talk unterm Zelt“. Silke, die mich eingeladen hat, stellt mir wundervolle Fragen.
Eine davon lautet: „Woran glaubst Du?“
Ich antworte, dass ich an das Universum glaube, an etwas, das größer ist als wir selbst, und an die eigene Kraft. Das sage ich nicht nur – ich fühle es in diesem Moment in allen Zellen meines Körpers.
Aus dem Publikum kommen weitere Fragen. Irgendwann möchte jemand wissen, wie ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, ein Buch zu schreiben.
Ich erzähle von John Strelecky und frage in die Runde, wer ihn kennt. Fast alle Hände gehen nach oben. Viele Jahre habe ich Seminare zu „The Big Five for Life“ gehalten. Als John sich entschied, diese Seminare in Deutschland nicht weiterzuführen, reagierte ich ziemlich bockig.
„Dann muss ich eben selbst einen Bestseller schreiben und daraus mein eigenes Seminar entwickeln“, war meine Entscheidung. Das Publikum lacht und am Ende des Gesprächs ruft jemand aus der Runde:
„Wenn Dein Seminar fertig ist, meldest Du Dich. Wir sind Deine ersten Teil-nehmer.“
Ich halte kurz inne. Und denke: Ah okay. So geht das. „Sag, was du willst – und du bekommst, was du willst.“ Auch wenn ich gerade noch nicht weiß, wie.
Am nächsten Tag zeigt mir Silke einen besonderen Ort auf der Landesgarten-schau. Zwischen den Bäumen liegt ein Labyrinth. Es ist kein Irrgarten mit Sackgassen und falschen Wegen. In einem klassischen Labyrinth gibt es einen einzigen Weg, der in vielen Kurven zur Mitte führt und von dort wieder hinaus.
Ich stehe davor und muss lächeln. Vor einigen Jahren bin ich auf Hawaii schon einmal durch ein Labyrinth gegangen. Damals beschäftigte mich die Frage, ob ich wieder Liebe in mein Leben lassen würde. Die Antwort kam klar und leise: Ja.
Heute nehme ich eine andere Frage mit auf den Weg: „Was darf in mein Leben kommen, das mich nährt?“ Ich gehe langsam los. Der Sand knirscht unter meinen Schuhen und die Sonne fällt durch die Blätter. Der Weg führt mich in weiten Kurven durch das Labyrinth. Manchmal komme ich der Mitte näher, dann entfernt er sich wieder von ihr. Trotzdem weiß ich, dass ich dort ankommen werde.
In der Mitte bleibe ich stehen. Der Gedanke ist sofort da: „Yvonne, Du weißt es längst. Go with the flow.“
Ich halte inne. Weil das genau das ist, was gestern passiert ist. Da kamen Dinge aus mir heraus, bei denen ich heute nur einen Hauch einer Ahnung habe, woher sie plötzlich alle kamen. Ja – Ich hatte mich vorbereitet und mir Gedanken über den Ablauf gemacht, doch während der Lesung löste ich mich irgendwann davon und ließ mich auf die Menschen vor mir ein.
Genau das fällt mir im Leben oft schwer. Ich möchte gern wissen, wohin etwas führt, bevor ich mich darauf einlasse. Doch viele wichtige Entwicklungen in meinem Leben haben anders begonnen. Mit einer Idee, die plötzlich da war oder mit einer Begegnung, deren Bedeutung ich erst später verstanden habe.
Auch mein Buch ist auf diese Weise entstanden. Lange wusste ich nicht, ob aus meinen ersten Texten tatsächlich einmal ein Buch werden würde. Daran geglaubt habe ich tief in meinem Inneren immer und vermutlich habe ich genau deswegen auch immer alle Texte, die ich geschrieben habe, aufgehoben und gesammelt.
Im Labyrinth verstehe ich, was mich gerade so bewegt. Ich muss noch nicht wissen, wie dieses Seminar aussehen wird oder was die nächsten Schritte sind, um mein Buch noch sichtbarer zu machen. Die Ideen sind da. Und sie dürfen wachsen.
Wo hältst du gerade fest? An einem Plan? An einer Vorstellung, wie es sein müsste? An der Angst, dass es sonst nicht klappt? Vielleicht ist heute ein guter Tag, um einmal zu fragen: Was würde geschehen, wenn ich einfach fließe?
Mein Buch „Ich mach’s jetzt einfach“ erzählt von meinem Weg nach einem tiefen Verlust, von der Suche nach einer neuen Richtung und von den Entscheidungen, die daraus entstanden sind. Der Jakobsweg gehört ebenso dazu wie die Begegnungen, die mein Leben verändert haben.
P.S.: Die Idee mit dem eigenen Seminar wächst gerade in mir. Wenn Dich das interessiert, schreib mir gern. Dann weiß ich, wer da draußen mitgehen möchte. 💛
Alles Liebe, Deine Yvonne
Willst du keinen meiner Geschichten mehr verpassen? Ab sofort kannst du meinen Blog abonnieren – dann erhältst du eine Mail, sobald ein neuer Beitrag erscheint.
Wenn du magst, schreib mir. Vielleicht wird deine Geschichte Teil eines der nächsten Artikel.
Und wenn du mehr über meinen Weg lesen möchtest, findest du mein Buch hier oder in der Buchhandlung deines Herzens.