Der Moment, nach dem ich wusste, dass ich nicht mehr bleiben kann
Viele Jahre habe ich Veranstaltungen organisiert. Für unsere Kunden und Mitarbeitende. Ich habe das sehr geliebt. Vor allem die Emotionen, die man durch Veranstaltungen erzeugen kann – Freude, Staunen, Neugier. Wenn Menschen beginnen zu strahlen. Wenn sie noch Tage später über einen Abend sprechen.
Das war immer das, was mich angetrieben hat.
Wir waren damals als Region ziemlich eigenständig. Ich konnte viel selbst entscheiden. Hatte Ideen und durfte sie umsetzen. Dieses Vertrauen mochte ich sehr.
Irgendwann änderten sich die Strukturen. Veranstaltungen wurden zentral gesteuert. Prozesse enger. Entscheidungen wanderten nach Berlin.
Und dann kam dieser eine Abend.
Wir hatten eine Veranstaltung organisiert, die wirklich besonders war.
Die Stimmung war genauso, wie ich sie mir gewünscht hatte. Menschen waren berührt. Es wurde gelacht. Gespräche entstanden. Dieses schöne Gefühl lag im Raum, wenn Menschen sich wirklich begegnen. Die Musik passte zur Atmosphäre, das Licht tapezierte die Halle in den schönsten Farben. Glücksgefühle und Stolz durchströmten mich.
Ein paar Tage später kam dann das Feedback.
Es ging nicht um die Atmosphäre. Nicht um die Menschen. Nicht um das, was dieser Abend ausgelöst hatte.
Es ging um einen Feuerlöscher neben der Bühne, der gefehlt hatte.
Und plötzlich saß ich da und dachte: Dafür mache ich das eigentlich nicht.
Natürlich verstehe ich, warum Sicherheit wichtig ist. Darum ging es nie. Aber ich habe in diesem Moment gemerkt, dass mich inzwischen ganz andere Dinge bewegten. Plötzlich wurde mir klar, dass Heinz Tod etwas in mir verändert hat, das sich nicht mehr zurückdrehen ließ. Eine Idee davon, was mir wirklich wichtig ist.
Wenn ein Mensch stirbt, den Du liebst, verändert sich der Blick aufs Leben.
Vorher denkt man: Das mache ich irgendwann: Irgendwann mutiger sein. Irgendwann wirklich anfangen.
Und dann sitzt Du plötzlich in einem Krankenhaus und hörst, dass die Zeit vielleicht viel kürzer ist, als ihr gedacht habt.
Danach klingt „irgendwann“ anders.
Ich habe nach Heinz Tod noch drei Jahre weiter funktioniert.
Bin jeden Morgen zur Arbeit gefahren. Habe Veranstaltungen organisiert. Meetings vorbereitet. Habe gemacht, was ich immer gemacht habe. Und trotzdem begann ich immer häufiger darüber nachzudenken, ob ich genau das wirklich noch viele Jahre meines Lebens tun möchte.
Nicht, weil alles so schlimm war. Vielleicht war genau das das Schwierige daran.
Es war kein furchtbares Leben. Ich mochte viele Menschen dort wirklich gern.
Ich hatte Sicherheit. Routine. Ein gutes Gehalt. Und trotzdem saß ich manchmal an meinem Schreibtisch und merkte, dass ich innerlich längst woanders war.
Zum ersten Mal stellte ich mir wirklich die Frage:
Wenn Lebenszeit nicht unendlich ist — was mache ich dann eigentlich mit meiner?
Und irgendwann ließ mich diese Frage nicht mehr in Ruhe. Ich stellte sie mir immer wieder: nach Veranstaltungen, auf dem Nachhauseweg. In ruhigen Momenten und oft morgens im Auto auf dem Weg zur Arbeit.
Ich merkte an dieser unterschwelligen Müdigkeit, die man niemandem erklären kann, dass sich etwas verändert hatte. Dieses Gefühl verschwindet nicht mehr, wenn es einmal da ist. Man kann es übergehen. Sich ablenken. Weiter funktionieren.
Ich glaube, dieses Gefühl kennen viele Menschen. Von außen sieht alles völlig in Ordnung aus. Und trotzdem spürt man irgendwo tief drin: Da wartet noch etwas anderes auf mich.
Man kann dieses Gefühl lange wegschieben. Sich ablenken. Weiter funktionieren.
Ich konnte das lange auch ziemlich gut. Aber irgendwann wurde der Gedanke daran, genauso weiterzumachen, schwerer als die Angst vor dem Neuanfang.
Und obwohl die Kündigung erst viel später kam, glaube ich heute: Eigentlich hatte ich mich innerlich schon längst auf den Weg gemacht, ich wusste es nur noch nicht.
Kennst du dieses Gefühl? Diese Müdigkeit, die man niemandem erklären kann?
Wenn du wissen möchtest, wie es für mich nach diesem Moment weiterging und welche Entscheidungen ich getroffen habe: In meinem Buch ‚Ich mach’s jetzt einfach‘ nehme ich dich genau durch diese Zeit mit
Alles Liebe, Deine Yvonne
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