Glaubst Du an Zufälle?

von | Apr. 23, 2026

Ich sitze in einer kleinen Bar am Meer. Im Hintergrund läuft „Torch-Song“ von Ondara, fast ein bisschen zu kitschig, um wahr zu sein. Denn nun geht auch noch die Sonne über dem Meer unter. Es ist schön, wieder hier zu sein auf meiner Lieblingsinsel. Von Zeit zu Zeit gönne ich mir etwas, was ich „workation“ nenne, kreativ arbeiten mit Blick aufs Meer. Eine wundervolle Kombination wie ich finde.

Diesmal hatte mein Aufenthalt hier noch einen weiteren Höhepunkt: Heute am 23. April ist der Welttag des Buches. Und ich durfte meines präsentieren — vor einer Runde Unternehmerinnen auf Mallorca. Die Frauen vom Womans Network Mallorca treffen sich regelmäßig und laden auch Gäste ein, die Impulse setzen.

Wir sitzen in einem Beachhouse in St. Jordi. Die Feng Shui Beraterin freut sich über diesen Platz. Von hinten das Holz der Bar für die Sicherheit, nach vorn die Öffnung aufs Meer für die Energie. Und genau das spüre ich, als ich über mein Buch sprechen darf und daraus lese. Die Frauen hören zu. Ich sehe eine Träne rollen, Köpfe, die nicken und spüre die wertschätzende und wohlwollende Atmosphäre. Obwohl ich die Frauen erst vor wenigen Minuten kennengelernt habe, ist die Verbindung so deutlich zu spüren.

Ich spreche über das heutige Datum, denn der 23. April ist auch Sant Jordi Fest. In Katalonien und auf Mallorca der Tag der Rosen, die man den Frauen schenkt.
Die Legende dahinter kennt kaum jemand in Deutschland: Ein Drache bedrohte das Dorf. Jeden Tag musste ihm ein Mensch geopfert werden. Bis die Prinzessin an der Reihe war. Sant Jordi kämpfte gegen den Drachen. Tötete ihn. Und aus dem Blut wuchs ein Rosenstrauch. Er pflückte die schönste Rose und schenkte sie der Prinzessin.

Diese Geschichte fühlt sich an wie meine.: Aus Verlust wächst Schönheit. Aus dem Schmerz, der mit dem Tod meines Mannes kam, ist etwas Neues gewachsen — mein Weg, mein Buch, meine Arbeit als Lebensmutmacherin.

Am 14. Februar 2011 bekam mein Mann die Diagnose Hirntumor. Valentinstag. 17 Monate später war er tot. Mit 52. Ich war 46.
Das war mein Drache.

Drei Jahre lang habe ich weitergemacht wie vorher. Zur Bank gefahren, funktioniert, nicht gefühlt. Solange ich funktionierte, musste ich nicht entscheiden, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen will.

Dann kam der Moment, in dem ich es nicht mehr konnte. Ich habe Ballast losgelassen. Ich bin den Jakobsweg gegangen. Ich habe nach 25 Jahren meinen sicheren Job gekündigt. Ich bin um die Welt gereist. Ich habe mich zur Coachin ausbilden lassen. Aus dem, was damals zerbrach, ist etwas Neues gewachsen.

Wenn ich zurückschaue, ist das die klassische Heldenreise: Ein gewohntes Leben. Ein Moment, der alles in Frage stellt. Jemand, der auftaucht und dich Dinge anders sehen lässt. Die Entscheidung loszugehen. Und am Ende kehrst du zurück — als ein anderer Mensch. Mit etwas, das du weitergeben kannst.

Die besten Geschichten schreibt nicht irgendein Autor. Die schreibt das Leben selbst. Und genau deshalb habe ich meine aufgeschrieben. Weil ich zutiefst davon überzeugt bin: Wir lernen nicht aus Ratgeberbüchern. Wir lernen aus den echten Geschichten anderer Menschen. Geschichten von Umbrüchen, Verlust, Neuanfängen. Geschichten, in denen wir uns selbst wiedererkennen.

Ich begleite Menschen in Umbruchsituationen. Das Buch ist eine neue Form dessen und ich hatte keine Ahnung, was es auslösen wird. Verbindung so wie heute live in der Runde der Unternehmerinnen oder auch bei Nachrichten, die ich erhalte. „Hab vorhin grad an dich gedacht und wieder mal in deinem Buch gelesen, das Kapitel „Ich lebe mich ein“, weil es grad so gut in meine Tage jetzt passt.“ Das macht mich glücklich. Ich schreibe. Ich spreche. Ich stehe auf Bühnen. Ich lasse zu, dass etwas Neues wächst.

Ich erlebe es immer wieder. Auch bei Frauen, die nach außen erfolgreich sind. Die schon mutig waren. Die sich ihr Leben selbst gebaut haben. Und trotzdem tragen viele eine Entscheidung mit sich herum, die sie aufschieben. Manchmal seit Jahren. Eine, die sie selbst noch nicht laut aussprechen.

Genau darüber habe ich dieses Buch geschrieben. Über das Loslassen. Über den Mut, den ersten Schritt zu gehen, ohne zu wissen, wo man aufkommt.

Am Ende der Veranstaltung heute schenke ich den Frauen rote Rosen, um sich daran zu erinnern, welchen ersten Schritt sie immer schon gehen wollten und noch nicht getan haben.

Ich glaube nicht an Zufälle. Dass ich heute hier stehe. In Colònia de Sant Jordi. Am 23. April. Mit diesem Buch. Das fühlt sich an wie: richtig.

Was ist dein Drache? Und was könnte daraus wachsen, wenn du zulässt, dass etwas Neues entsteht?

Alles Liebe, Deine Yvonne


Wenn du magst, schreib mir. Vielleicht wird deine Geschichte Teil eines der nächsten Artikel.
Und wenn du mehr über meinen Weg lesen möchtest, findest du mein Buch hier oder in der Buchhandlung deines Herzens.

 

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